Viktoria Tolstoy
Die schwedische Sängerin Viktoria Tolstoy wurde 1974 in dem kleinen Ort Sigtuna, nahe Stockholm geboren, doch hat sie russisches Blut in den Adern. Ihr Urgroßvater wuchs als Sohn des weltberühmten Schriftstellers Leo Tolstoi noch im russischen Zarenreich auf. Er litt jedoch an einem Nervenleiden, suchte medizinische Hilfe bei einem bekannten schwedischen Spezialisten, verliebte sich in dessen Tochter, heiratete sie und wurde Ende des 19. Jahrhunderts in Schweden sesshaft. Seither lebten die Vorfahren von Viktoria, der Ur-Urenkelin des großen Romanciers, in Schweden.
Ihre Kindheit und Jugend verbrachte Viktoria Tolstoy in Uppsala. Ihr Vater, ein schwedischer Jazzmusiker, übernahm die musikalische Ausbildung seiner Tochter selbst und führte sie in die Welt des Jazz ein. Mitte der 90er Jahre wurde sie bei einem Auftritt in einem Stockholmer Club entdeckt, bekam einen Plattenvertrag und erwarb sich mit ihrem Debütalbum Smile, Love and Spice – für das ihr Vater einige der Stücke geschrieben hatte - als blutjunge Anfängerin auf einen Schlag die Anerkennung der maßgeblichen Jazzkreise des Landes, von Musikern wie Arne Domnerus, Putte Wickman oder Svante Thuresson.
Kaum zwei Jahre später gelang ihr mit einem stark pop-orientierten Album der Sprung an die Spitze der Hitlisten: För Älskad – Too Loved machte sie über Nacht in ihrer Heimat zum Star.
1997 nahm die damals erst 22-Jährige unter der Regie von Esbjörn Svensson das phänomenale Album White Russian (Blue Note) auf, das Viktoria Tolstoy mit seinem melodiösen Pop-Jazz in Schweden zu einem Star mit Chartnotierungen machte. Die Musik hatte sie gemeinsam mit ihrem Landsmann Esbjörn Svensson – der das Album auch produzierte - geschrieben und mit seinem Trio e.s.t. eingespielt. Kurze Zeit später begleitete Viktoria Tolstoy e.s.t. auf deren allerersten Tournee durch Deutschland.
In der Folge trat Viktoria mit Jazzgrößen wie Ray Brown und McCoy Tyner auf, gab Konzerte quer durch die Welt und konzentrierte sich doch hauptsächlich darauf, ihre Karriere in Schweden weiter voranzutreiben. Im Jahre 2000 dann veröffentlichte sie mit ihrem Quartett eine Auswahl von Jazz-Standards, die unter dem Titel Blame It On My Youth (Blue Note) erschienen.
War Viktoria Tolstoy bereits 1999 als Gast auf Nils Landgrens Funk Unit Album 5000 Miles und drei Jahre später auch auf seinem Balladenalbum Sentimental Journey zu hören, so ist sie seit Ende 2003 selbst exklusive ACT-Künstlerin. Im Februar 2004 brachte sie ihr ACT-Debütalbum Shining on You (ACT 9701-2) heraus, das nach nur einer Woche in Schweden auf Platz 2 der Jazzcharts landete und auf Platz 26 auch in die Popcharts einstieg.
Die Songs - "traumhaft schöne und intime Melodien" (Fonoforum) - stammten alle wieder einmal aus der Feder von Esbjörn Svensson. Nils Landgren hatte das Erfolgsalbum, das noch im selben Jahr einen German Jazz Award verliehen bekam, produziert. Die Presse schwärmte von ihrem „glasklaren Gesang, der einfach wunderschön ist“ (taz), von ihrer „unprätentiösen natürlichen Stimme mit einem leicht rauchigen Timbre“ (Hamburger Abendblatt) und rühmte sie als eine „Meisterin des ‚Weniger ist oft mehr’“ (FonoForum).
Das ganze Jahr über tourte sie ausgiebig quer durch Europa mit ihrem eigenen Programm, unterstützte die Nils Landgren Funk Unit bei zwei Songs auf dem Funky ABBA Album - darunter auch das wunderschöne „When all is said and done“ mit Benny Andersson höchstpersönlich am Piano – und begleitete die Band auf ihre Funky ABBA Tour nach China.
Im April 2005 erschien ihr zweites Album bei ACT: My Swedish Heart - eine Liebeserklärung und Hommage an 50 Jahre „Jazz made in Sweden“. Ihre Auswahl reichte von Kompositionen von Jan Johansson oder Lars Gullin über neu bearbeitete traditionals - darunter auch das schwedische Volkslied „Jag Vet en Dejlig Rosa“, das durch Monica Zetterlund und ihre Aufnahme mit dem Bill Evans Trio 1964 berühmt wurde – bis hin zu Stücken von Viktorias Freunden und Kollegen wie Esbjörn Svensson, Lars Danielsson, Anders Jormin und Jacob Karlzon. So gelang ihr ein "eleganter Balanceakt zwischen skandinavischem Folk und Jazz“ (Süddeutsche Zeitung). Das Album erreichte #1 in den schwedischen und #2 in den deutschen Jazz Charts und wurde auch durch ihre ausgedehnten Tourneen durch Europa und Kanada zu einem großen Erfolg.
Ihr drittes ACT-Album PICTURES OF ME erschien im Herbst 2006 und darauf stellt Viktoria Tolstoy erneut ihren Facettenreichtum unter Beweis und überrascht mit sehr persönlichen Interpretationen berühmter (und weniger berühmter) Popsongs von Paul Simon über Prince und Peter Gabriel bis zu Stevie Wonder. Gemeinsam mit ihrem langjährigen Pianisten Jacob Karlzon und ihrem aktuellen Produzenten, dem Bassisten und Cellisten Lars Danielsson, fand sie wunderbare Arrangements für die schlüssige Anverwandlung. Abermals unterstütze Viktoria Tolstoy die Veröffentlichung mit vielen Konzerten in ganz Europa.










